Blutföhre …. Sage vs Roman?

In meinem letzten Beitrag „Blutföhre … Woher stammt die Legende?“ habt Ihr mehr über die Hintergründe zu meinem Roman und die Sage von der Blutföhre erfahren. Die Erzählung in meinem Buch entführt Euch viel weiter in die Geschichte. Hier zeige ich Euch wo und wie und stelle Euch die Unterschiede vor.

Wie findet sich die Sage im Roman wieder?

Man nehme
1 Kämpferherz voller Träume und Hoffnungen
1 Chaoskopf voller Fantasie und blubbernder Ideen
1 alten, ausgebleichten Baumstamm
& eine faszinierende Sage
Das Ganze mischt man ordentlich durch mit
5 kantig-widerspenstigen Hauptfiguren, beachte deren cholerische Anfälle, würzt den P(l)ot mit
x Nebenfiguren, die am Rande des Abgrunds balancieren,
3 bis X Morde/Leichen/tragische Todesfälle und
1 Dolch.

Auf ungefähr 500 Taschenbuchseiten kocht man das Gemisch dann schön auf. dem erwartungsfrohen Leser serviert man daraus dann einen gewöhnungsbedürftigen, aber bekömmlichen und appetitanregenden Cocktail.

Ihr ahnt: wie bei guten Gerichten, zählt auch bei guten Geschichten die Basis. Selbige hat man hoffentlich gut gewählt, wie im Falle der »Sage von der Blutföhre«. Entsprechend kann man diese anreichern und ein neues Sinneserlebnis gestalten.

Was heißt das konkret?

In meinem Buch bildet die Sage das Handlungsgerüst. Das inspiriert mich natürlich als Autor, fordert mich gleichzeitig, bei meinen Ausschmückungen nicht zu sehr abzuweichen, aber auch: Nicht zu spoilern, wenn ich mal die Sage im Original erzähle.
Was stimmt bei Sage und Buch überein:
Grundsätzlich: ziemlich viel. Das war mir auch wichtig. Ich wollte die Faszination weitergeben, die die Sage auf mich seit Ewigkeiten ausübt.
1. Am Ende wächst der immergrüne Nadelbaum, die Föhre (als Blutföhre) und beweist: Graf Ulrich von Mering wurde zu Unrecht eines Mordes bezichtigt. Der Baum verkündet die Unschuld seiner Blutlinie über Jahrhunderte hinweg den folgenden Generationen.
2. Agnes von Hardenberg und Ulrich von Mering finden zueinander. Ihre Schicksale verbinden sich in einer Liebe, die so groß ist, dass nichts die beiden trennen kann. Agnes folgt Ulrich auf seinem Weg.
3. Der Herzog Ludwig, der Strenge, muss als Richter ein schwieriges Urteil fällen. Das Volk und sein Rat aus Edelleuten steht gegen ihn.
4. Hans von Eurasburg ist der Raubritter, der versucht Unglück über alle zu bringen, den Burgpfleger ermordet und als Tatwaffe einen Dolch von Ulrich von Mering benutzt.

Ihr seht: Die wichtigsten Figuren der Sage steuern gleichfalls die Handlung im Buch. Mich hat vor allem die Frage angetrieben: Wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass ein offensichtlich Unschuldiger (Ulrich von Mering) vor den Richter kommt.
Deswegen habe ich mich nicht allein mit der Sage zufriedengeben. Ich habe gesucht und recherchiert und in der Geschichte sehr viel und viel Spannendes ausgegraben. Manches Fundstück deckt sich genau mit den Geschehnissen der Sage, im Besonderen gilt dies für manche Ereignisse rund um die historische Persönlichkeit Ludwigs, des Strengen, in der Zeit um 1268. Manchmal drängt sich der Gedanke »das ist mehr als Zufall« geradezu auf.
Allerdings: Die Aufzeichnungen im 13. Jahrhundert waren weit weniger akribisch als zu unseren Zeiten. Daher bleibt manches Mutmaßung – und eben Raum für Geschichten.

Welchen Abweichungen gibt es?

1. Ausmaß: Die Sage lässt sich knapp und knackig in gut zehn Zeilen erzählen.
2. vorhandene Figuren: In verschiedenen Ausprägungen der Sage wird das Opfer des Raubritters als Onkel von Agnes von Hardenberg oder einfach als Burgpfleger benannt. Ein Name ist nicht bekannt.
3. zusätzliche Figuren: Cäcilia, die Hofdame spielt in der Sage keine Rolle, im Buch allerdings eine wichtige. Sie ist ein Schlüssel zum Inneren einiger Figuren und hinter die politischen Vorhänge der damaligen Zeit. Weitere Figuren haben auch ausschließlich in meinem Buch das Licht der literarischen Welt erblickt, tummeln sich zwischen den Seiten, tupfen Farben und Leben in die Zeilen – gelegentlich auch mal etwas Blut – und kitzeln das ein oder andere Geheimnis aus den Hauptfiguren.
4. Motive der Figuren: Hier erzählt die Sage nicht viel, Wer Warum Was getan hat oder tun wollte. Den einzelnen Charakteren habe ich einen Lebenslauf und Motive verpasst.
5. Der Baum, die BLUTFÖHRE. In der Sage wächst der Baum auf wundersame Weise und aufgrund göttlichen Einwirkens. Hier bin ich Realist, in meinem Buch hat die Entstehung des Baumes einen anderen Hintergrund. Und ganz realistisch gibt es dazu noch folgendes: Vermutlich ist dieser Baum tatsächlich erst ab dem ca. 18. Jahrhundert gewachsen, als das Köpfhäusl nicht mehr in Benutzung war und der Baum durch das Dach dringen konnte. Die Sage selbst wird hauptsächlich seit dieser Zeit erzählt. Besonders interessant dabei ist eben auch das Schicksal des Hauses von Mering ab dem Jahre 1268.

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