Warum eigentlich …. schreibe ich historische Romane?

Manchmal wundere ich mich selbst darüber. Historie – Geschichte – dieses Schulfach hatte mir den Krieg erklärt in der 7. Klasse. Damals, kurz vor Weihnachten stand ich in Tränen vor meinen Eltern und beichtete. An diesem Tag war mein Schutzschild auseinandergebrochen, das einzige, was mir in der Arena einer Klosterschule für Mädchen geblieben war. Ich hatte eine Fünf kassiert – eine hässliche Wunde in meinem kümmerlichen Teenager-Selbst. Ausgerechnet in diesem Fach. Geschichte.

Meine Wangen trockneten irgendwann. Das Gefühl blieb. Versagen. Nicht gut genug sein – ungenügend. Das schmerzte. Der Schmerz verwandelte sich in Hass und Geschichte wurde mein Gegner. Für die Prüfungen inhalierte ich Fakten und vergaß wieder. Für mich waren sie nichts, als Mittel zum Zweck. Ich versuchte, meine Niederlage auszumerzen.

Meine Neugier brodelte – unbeeindruckt von meiner Abneigung gegen das Fach. Die Fragen ließen mir keine Ruhe:
Was trieb die Menschen zu ihren Taten und Entscheidungen?
Wie und wo hielten sie stand?
Warum leuchten mit ihren Beispielen bis in unsere Zeit?

Und vor allem: Wo waren die Frauen, was machten sie?

In der Schule fand ich keine Antworten – erst später und zufällig.
Michael Ende, Tolkien, Tad Williams, etc. – ihre Bücher verschlang ich am liebsten. Ich las alles, was mir im Genre Fantasy unter die Augen kam, bis mir der Nachschub ausging. Dann stolperte ich über eine Buchempfehlung von Bayern 3.

In Rebecca Gablés historischem Roman »Das zweite Königreich« kämpften, liebten, litten Menschen und eroberten sich ihren Platz. Die Autorin füllte (in meinen Augen) mit Leben, was bislang tote Hülle der Geschichte war. Mit Brigitte Riebe entdeckte ich – ein Madl, das auf dem Land ca. 70 km von München entfernt aufgewachsen ist – eine Münchner Autorin. Ich erinnere mich noch heute: bei ihrem Roman »Pforten der Nacht« fasste ich den Entschluss, ein Buch zu schreiben.

Zunächst las ich ein ums andere dieser historischen Romane, entdeckte weitere erzählmächtige Autoren und Geschichten im Bereich historischer Roman – und auch weniger mächtige. Ich lernte einen anderen Blick auf die Geschichte – und hinter die Wüste der Lehrbücher.

Welche Rolle spielt die Zeit und weshalb schreibe ich historische Romane?

Zu einer anderen Zeit wandelten ebenso Menschen wie wir auf dieser – unserer – Welt. Diese Menschen wünschten – ähnlich wie wir: ein gutes Leben, geliebt zu sein, Sicherheit, Glück, Stärke und Sieg über die Feinde. Und an einem Punkt in ihrem Leben trafen sie Entscheidungen, opferten etwas, damit Neues entstehen konnte.
Besonders galt das für »Die Sage von der Blutföhre«. Seit meiner Kindheit war ich davon fasziniert. Ein Baum, der wächst, die Unschuld eines Menschen zu beweisen. Ich begann zu suchen. Ich fand Informationen und Persönlichkeiten unter der Staubschicht der Jahrhunderte. Ich trug Fakten zusammen und erhaschte einen Blick auf die Menschen dahinter. Ich überlegte, was geschehen sein könnte.

Mein Roman »Blutföhre« hätte vielleicht ein Fantasy-Roman werden können. Aber: Die Vergangenheit formte diese Geschichte. Bei historischen Romanen kann ich die Zeitmaschine anwerfen und – wie jeder Leser – durch die Zeit reisen. Hier gibt es den Bonus, über die Weltgeschichte zu lernen.

Ich will und werde Geschichte und Geschichten erzählen, woraus man lernen und Mut schöpfen kann. Geschichten der Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit, fantastischen Welten und realen.

Worte sind mein Wesen.

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